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Das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet

 

 

 

 

 

 

Steinkohle aus dem Ruhrgebiet

 

 

 

 

Steinkohle entstand vor etwa 350 Millionen Jahren in der Steinkohlenzeit, die Karbon genannt wird. Damals herrschte in Mitteleuropa ein wärmeres und feuchteres Klima als heute. Beste Bedingungen für üppige Sumpfwälder mit Riesenfarnen und Schachtelhalmen. Kräfte im Erdinneren sorgten dafür, dass sich die Erdoberfläche senkte. So überflutete das Meer diese Wälder. Die absterbenden Pflanzen waren so von der Luftzufuhr abgeschnitten. Deshalb verwesten sie nicht, sondern zerfielen zu Torf.

 

 

Sand- und Tonschichten deckten die Torfschichten ab. Es entstanden neue Sumpfwälder und die Erdkräfte sorgten wieder für eine Torflagerbildung. Dieser Vorgang wiederholte sich im Ruhrgebiet etwa 150-mal.

 

 

Druck und Temperatur nahmen zu, so dass sich aus dem Torflager schließlich Braunkohle bildete. Die Sand- und Tonablagerungen verfestigten sich im Laufe von Millionen Jahren  immer mehr und übten noch mehr Druck auf den Untergrund aus. So wurde aus der Braunkohle schließlich Steinkohle.

 

 

Auf der Grundlage der Steinkohlevorkommen entstand nun Mitte des 19.Jh im Ruhrgebiet ein bedeutendes Bergbau- und Industriegebiet. Die Flöze, wie man die Kohleschichten nennt, sind nur etwa einen Meter hoch. Sie müssen im Ruhrgebiet unter schwierigsten Bedingungen ans Tageslicht gefördert werden. Denn weitere Unruhen im Erdinneren zu der Zeit, als die heutigen Mittelgebirge aufgefaltet wurden, schafften Bewegung in der Erdkruste. Kohleschichten und Gesteinsschichten wurden aufgefaltet und gegeneinander verschoben. Das ganze Kohlengebirge sank nach Norden hin ab und wurde dort von mächtigen Meeresablagerungen überdeckt. So wanderte der Bergbau im 19.Jh auch immer mehr nach Norden und senkrechte Schächte mussten immer tiefer ins Erdinnere getrieben und im Untertagebau gefördert werden.

 

 

 

 

Arbeit unter Tage

 

 

 

 

Die Arbeit des Bergmannes ist hart, obwohl das Bild vom Hauer, der mit Spitzhacke und Hammer die Kohle aus dem Berg haut und mit der Schaufel weiterbefördert, längst der Vergangenheit angehört. Von nur einem Mann ferngesteuerte Walzenschrämlader übernehmen heute die Arbeit. Mit Helm, elektrischer Grubenlampe und Atemschutzgerät fährt der Bergmann in einem mehrstöckigen Föderkorb bis zu 1000 Meter tief unter Tage, so dass man heute schon von Tiefbau spricht. Mit Grubenzügen und Bussen geht es dann in die dunkle Richtstrecke, einen Tunnel, der mit Stahlbögen und Beton ausgebaut ist. Mit einer Seilbahn oder auf dem leeren Förderband kommt man dann in die Abbaustrecke. So kann mehr als eine halbe Stunde vergehen, bis man zu seinem Arbeitsplatz gelangt.

 

 

In dem Kohlenstreb sind die Decken mit schweren Metallschildern abgestützt, damit das darüber liegende Gestein nicht einbricht und Mensch und Maschinen unter sich begräbt. Etwa 80 cm breite Streifen auf einmal schneidet der Walzenschrämlader aus dem Flöz heraus. Die Kohle gelangt dann über Kettenförderer, eine Stahlrinne, ans Ende des Strebs, wo sie auf ein Förderband fällt und zum Füllort transportiert wird. Hier wird sie in Fördergefäße abgefüllt und im Schacht nach oben gezogen.

 

 

So wie die Kohle aus dem Förderschacht kommt, ist nur etwa die Hälfte davon als Brennmaterial nutzbar. Zunächst muss die Kohle vom „tauben“ Gestein getrennt werden. Das geschieht in großen, mit Wasser gefüllten Behältern, in denen schwere Gesteine nach unten sinken und leichte Kohle oben schwimmt.

 

 

 

 

Industrialisierung

 

 

 

 

Die Steinkohle aus dem Ruhrgebiet war noch bis vor wenigen Jahrzehnten etwas ganz wichtiges für jedermann, denn Öl- oder Gasheizungen waren noch nicht gebräuchlich.

 

 

Auch für die Industrie ist Kohle ein wichtiger Rohstoff. Ein Teil der Kohle wird in der Kokerei zu Koks verarbeitet. Ein anderer Teil der Kohle wird an die chemische Industrie geliefert, in Kraftwerken „verstromt“ oder in Heizwerken zu Fernwärme verbrannt.

 

 

 

 

Rückgang der Industrialisierung

 

 

 

 

Waren um 1900 noch etwa 200 Zechen im Betrieb, so waren es 1993 nur noch 14. Zwischen 1957 und 1991 gingen im Ruhrgebiet über 400 000 Arbeitsplätze im Steinkohlebau verloren. Um im Tiefbau die Förderkosten zu senken, hat man immer mehr Arbeitsprozesse automatisiert. Die Förderung der heimischen Steinkohle wird immer aufwendiger und dadurch teurer. Unrentable Zechen wurden geschlossen. Die Gründe, warum Steinkohle auch weltweit ihre Bedeutung verloren hat, sind vielfältig. Erdgas und Heizöl machen nicht nur der Kohle als Brennstoff für die Haushalte Konkurrenz. Die alte Dampflok, die viel Kohle verheizte, gehörte der Vergangenheit an. Auch die großen Abnehmer, die Hüttenwerke, deckten ihren Bedarf vielfach aus Übersee. So ist die Steinkohle aus den USA wesentlich billiger, weil die Kohlenflöze dort viel mächtiger sind als die im Ruhrgebiet. Zudem kann die amerikanische Kohle viel günstiger im Tagebau abgebaut werden.

 

 

Dennoch bleibt zu überlegen, ob weitere Zechen geschlossen werden. Ein einmal stillgelegter Schacht läuft voll Wasser und ist unwiderruflich zerstört. Eine zu große Abhängigkeit von ländischen Energiequellen könnte einmal problematisch werden.

 

 

 

 

Strukturwandel

 

 

 

 

Das Ruhrgebiet, einer der größten industriellen Ballungsräume in Europa ist weder landschaftlich noch historisch oder politisch eine Einheit. Bodenschätze und eine günstige Verkehrslage waren die primären Standortfaktoren für den Aufbau der Industrie. Die Erfindung der Dampfmaschine und die damit verbundene Beutung der Steinkohle als Energieträger führten also zum Aufstieg des Ruhrgebiets.

 

 

Als in den 70er Jahren, nach dem Rückgang der Kohleförderung, auch die Stahlindustrie in Schwierigkeiten geriet , weitete sich die Krise auf das gesamte Ruhrgebiet aus, das die Nachteile seiner Monostrukturierung (nur ein bedeutender Wirtschaftszweig) zu spüren bekam.

 

 

Doch auch dieses Gebiet erfährt, wie andere alte europäische Industriestandorte einen Strukturwandel. Weg vom schmutzigen „Kohlepott“ und hin zu einer Dienstleistungsregion. Neue Standortfaktoren, die das Revier leistungs- und konkurrenzfähig machen sollen, müssen hinzukommen. Durch eine gezielte Strukturpolitik, umfangreiche Standortwerbung und Imagekampagnen und Planungsmaßnahmen vollzieht sich allmählich ein Strukturwandel.

 

 

Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität sollten hinzukommen. Dazu musste die erhebliche Umweltbelastung beseitigt und dem Bildungs- und Kulturnotstand entgegengewirkt werden. Denn zusätzlich zu den klassischen Standortfaktoren, wie Verkehrsinfrastruktur, Verfügbarkeit von Flächen sowie Qualität und Quantität des Arbeitskäftepotentials, sind zunehmend „weiche Standortfaktoren“ gefragt. Ein attraktives Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebot, gesunde Umwelt- und Lebensbedingungen und eine ansprechende Landschaft gewinnen mehr und mehr an Bedeutung.

 

 

 

 

Standortfaktor Hochschule

 

 

 

 

Bis 1962 gab es im Ruhrgebiet keine einzige Universität. Heute verfügt das Ruhrgebiet mit seinen 13 Hochschulen über ein Leistungsfähiges, in einigen Disziplinen weltweit anerkanntes Lehr und Forschungspotential.

 

 

Die unmittelbare Nähe des Technologieparks zur Universität Dortmunds ist ausschlaggebender Standortfaktor. Von hier kommen hochqualifizierte junge Menschen.

 

 

In einem gemeinsamen Gebäudekomplex, dem Technologiezentrum , sind junge Unternehmer aus zukunftsorientierten Branchen wie Computertechnologie, Informatik, Nachrichtentechnik und Mikroelektronik zusammen tätig.

 

 

Durch die leistungsfähigeren Maschinen wurden immer mehr menschliche Arbeitskräfte ersetzt. So schrumpfte die Zahl der in der Industrie beschäftigten rapide, und neue Wege mussten beschritten werden.

 

 

Bochum konnte durch die Anwerbung eines großen Autowerks, Opel, die einzige große Industrieansammlung der Gegenwart für sich verbuchen. Essen gilt heute als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“. Elf der hundert größten Unternehmen Deutschlands haben hier ihre Verwaltungszentrale.

 

 

Doch auch andere Wege mussten gesucht werden, um die ungenutzten Industrieflächen anderweitig zur Arbeitsplatzbeschaffung einzusetzen. Ein Beispiel ist Oberhausen, das völlig auf Kohle, Eisen und Stahl ausgerichtet war. Auf einem stillgelegten Zechen- und Kokereigelände mitten in der Stadt entstand ein riesiger Freizeit- und Einkaufspark, nachdem sich die Bemühungen um die Ansiedlung neuer Industriebetriebe als erfolglos erwiesen hatten. Viele neue Arbeitsplätze auch für weibliche Arbeitskräfte, vor allem im Dienstleistungsbereich entstanden.

 

 

 

 

Emscher Landschaftspark

 

 

 

 

Umbau des Emscher-Systems

 

 

Arbeiten im Park

 

 

Neues Wohnen und Stadtteilentwicklung

 

 

Kunst, Industriekultur und Tourismus

 

 

Soziale Initiativen, Beschäftigung und Qualifizierung

 

 

 

 

Die Landschaft in der Region ist zersiedelt, zerstückelt, zerstört. Die Arbeitslosigkeit ist hier signifikant höher als in anderen Regionen des Ruhrgebiets, außerdem liegt der Anteil der Arbeitsplätze in den produktionsorientierten Dienstleistungen, ein Schlüsselindikator für die Modernität einer Wirtschaft, deutlich unter den Werten der anderen Ruhrgebietszonen. Hinzu kommen weitere negative Dinge, wie Verbrauch und Formung der Landschaft ausschließlich im Interesse der Montanindustrie, Industriebranchen mit gefährlichen Altlasten, städtebauliche Missstände, Verschmutzung der Rohre usw.

 

 

Die Vision des Emscher Landschaftsparks: Auf einer Fläche von 300 qkm wird Landschaft wiederhergestellt und geschützt, Grünflächen werden miteinander verbunden. Das Grundgerüst bilden die bereits in den 20er Jahren entwickelten sieben "Regionalen Grünzüge", die das nördliche Ruhrgebiet in Nord-Süd-Richtung gliedern. Sie werden weiter ausgebaut und mit einem neuen Ost-West-Grünzug zu einem zusammenhängenden Park-System vernetzt.

 

 

 

 

 

 Einige Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA):

 

 

 

 

Emscher Landschaftspark

 

 

Die Region soll nicht zu einem Park herkömmlicher Weise umgestaltet werden - es kommen vielmehr unterschiedlichste Elemente der Landschaftsgestaltung zum Tragen. Die vorgegebenen industriellen Strukturen werden dabei nicht "wegretuschiert", sondern machen die Besonderheit des Parks des 21. Jahrhunderts aus. Ein Ziel dabei ist, "Wildnis in der Stadt" zu schaffen. Das heißt u.a der Natur - z.B. auf Industriebrachen - freien Lauf zu lassen und durch behutsame Pflege weiterzuentwickeln. Förster im Revier - keine Utopie, sondern Realität.

 

 

 

 

Der Emscher Park Radweg

 

 

Dazu gehören auch neue Wege wie der Emscher Park Radweg oder der Emscher Park Wanderweg, die Verbindungen und Naherholungsmöglichkeiten für die Menschen schaffen.

 

 

 

 

Industriedenkmäler als Kulturträger

 

 

Stillgelegte Schachtanlagen und andere frühere Industriegebäude sollen zu Museen und anderen Kulturstätten umgebaut werden

 

 

 

 

Integrierte Stadtentwicklung

 

 

Neubau und Modernisierung von Wohnungen und ganzen Stadteilen unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten

 

 

Autor: *chaya*
Geschrieben am: 27.07.2007, 14:18 Uhr
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