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Antigone anno jetzt

Helmut Richter – Antigone anno jetzt

 

 

 

Als sie aufgestanden war, stand sie allein.
Ringsum Menschen, die sie lange kannten,
aber nun die Blicke auf sie wandten,
so, als würde sie hier eine Fremde sein.

 

 

Und sie sah an mancherlei Gebärden,
welche böse Lust die andern überkam.
Wenn sie jetzt Partei für ihren Bruder nahm,
würde sie in tiefstes Schweigen eingemauert werden.

 

 

Da verließ Antigone der Mut.
Denn ihr selbst erschien jetzt, es sei nicht gut,
ganz alleine aufzustehn.

 

 

Also setze sie sich nieder.
Und nun schlug alle ihre Augen nieder,
als sei etwas Schreckliches geschehn.

 

 

 

 

 

 

 

 

Strophe 1. befasst sich mit Antigone, wie sie sich gegen den Tyrannen erhebt und eine Art Revolution vorbereitet. Doch sie steht alleine dar. Niemand will diesen aufständischen Weg mit ihr gehen, auch jene nicht, die sie kennen. Sie schauen sie an als wäre sie eine Fremde (Zeile 4).

 

 

 

 

 

In der 2. Strophe wird in den ersten 3 Zeilen ausgesagt, dass auch andere solche revolutionären Gedanken haben, dies erkennt Antigone an ihren Gebärden (also Gesichtsausdruck und Körperhaltung). Dennoch will niemand, bis auf Antigone, diese laut Aussprechen.  Die letzten beiden Zeilen dieser Strophe behandeln die Story: „Wenn sie jetzt Partei für seinen Bruder nahm.“ und die Konsequenzen: „würde sie ins tiefste Schweigen eingemauert werden“

 

 

 

 

 

In der 3 Strophe tritt eine Wende ein und das Gedicht trennt sich von der Story von Sophokles. Antigone, die ja alleine da steht, verlässt der Mut, „ganz alleine aufzustehn“ (Zeile 11).  Sie findet sie hat alleine keine Chancen sich zu erheben und lässt es angesichts der drakonischen Strafen lieber sein.

 

 

 

 

 

Die 4 Strophe zeigt die Enttäuschung und das Entsetzen des Volkes, das Antigone sich doch nicht erhebt, obwohl ja das Volk sich nie offiziell hinter Antigone stellte, im Gegenteil, jedoch wie in Strophe 2 aufgezeigt, ebenfalls aufständische Gedanken hatte.  Den anderen fehlte einfach der Mut bzw. sie hatten zu große Angst sich ebenfalls zu erheben. Antigone lies es, den alleine konnte sie es nicht schaffen, „Also setzte sie sich nieder“ (Zeile 13).

 

 

 

 

 

Der Autor Helmut Richter wollte mit diesem Gedicht und vor allem natürlich mit den letzten beiden Strophen aufzeigen, das man nur zusammen als Gruppe stark ist. Der gewählte Titel „Antigone anno jetzt“ zeigt auf, dass der Kern dieser Geschichte zeitlos ist und immer wo Unrecht geschieht passend ist.

Autor: sockeqwe
Geschrieben am: 09.03.2007, 13:16 Uhr
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